Xylophon.
Xylophon.
Es klimpert in dem Haus ein Ton herüber von dem Xylophon
und der Knabe ist am üben, in dem Kinderzimmer drüben,
wenn auch vorerst ohne Noten. Es kratzt der Hund mit seinen Pfoten
und will zu der Tür heraus, denn er hält es nicht mehr aus.
An die Frequenz, in höchsten Tönen, kann der Hund sich nicht gewöhnen,
denn sein Gehör ist allgemein sensibel und dafür zu fein.
Darum will er vor die Tür, denn er kann ja nichts dafür,
dass ihn manche Töne schmerzen. Der Nachbar tut dagegen scherzen
und spricht spöttisch irgendwie vom Talent und vom Genie.
Den Knaben stört das aber nicht. Konzentriert in dem Gesicht
hämmert er am Xylophon und er sucht an manchem Ton.
Das geht nun so seit ein paar Stunden. Töne hat er wohl gefunden,
aber sicher nach Belieben. Die Noten sind zwar aufgeschrieben,
doch sie nutzen in dem Spiel, in dem Zusammenhang nicht viel.
Es vergehen ohne Frage nach und nach noch ein paar Tage
und der Hund hat noch gewinselt und zur Haustür hin geblinzelt,
als sich der Nachbar, stets erneut, an der Harmonie erfreut.
Nur die Übung macht den Meister. Irgendwer spricht Scheibenkleister,
weil er wohl, so wie es scheint, insgeheim ein Schimpfwort meint,
das er, im Gedanken still, in dieser Form nicht sagen will.
Der Knabe klimpert auf dem Hocker und lässt wochenlang nicht locker
und es will ihm nicht gelingen die Töne in die Reih zu bringen.
Der Nachbar denkt nunmehr „Oh weih“, doch Weihnachten ist lang vorbei
und das Geschenk vom Weihnachtsbaum klingt wie Glöckchen in dem Raum,
freilich lustig durcheinander. Trotz dem Doppelglas verstand er
wochenlang noch irgendwie die gewisse Symphonie,
wie die Nachbarin das nennt, die auch nur wenig Noten kennt.
Der Knabe nebenan der übt, bis sich die Wetterlage trübt.
Irgendwann folgt das Gewitter. Dann klingen alle Töne bitter,
dann grollt der Nachbar nebenan, was man deutlich hören kann
und die Mutter schimpft im Haus. Der Vater hält es nicht mehr aus,
dann jault der Hund in diesem Ton, doch dann verstummt das Xylophon.
Das Xylophon liegt nun verdeckt unter allem Müll versteckt
und hat sich nun nicht mehr gemuckt, weil der Müll den Ton verschluckt.
Der große Bruder hat geschworen, mit den Stöpseln in den Ohren,
dass ihn das Xylophon kaum stört, weil er davon nicht viel hört.
Es kehrt nunmehr allgemein wieder Ruh und Frieden ein
und die Ruhe ist ein Segen, denn den Frieden soll man pflegen.
Die Karriere in dem Haus fällt wohl in dem Sektor aus,
die Harmonie ist in der Welt wieder einmal hergestellt
und der Konflikt bleibt nun vermieden. Der Knabe ist nicht sehr zufrieden,
der diese Laufbahn nun versäumt und jetzt vom Ohrendoktor träumt.
H. Feisel
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