Rittersaal
/ Weihnachtsfeier.
Auf der Burg
ist Weihnachtsfest. Darum ist der Koch gestresst,
der die alte
Wildsau schmort, an der er hin und wieder bohrt,
mit dem
Messer in der Hand, denn es wäre allerhand,
wenn die noch
roh beim Kauen wäre. Der Ritter kommt mit seiner Mähre
vom Ausflug
zu der Burg zurück. Er will vom Schwein das beste Stück.
Der Ritter
nimmt den Helm vom Kopf. Zum Vorschein kommt der alte Zopf,
wie der
Knappe vorlaut schwört, was der Ritter überhört.
Man spricht
nicht laut vom Weihnachtsmann, was man zu der Zeit noch nicht kann,
denn der ist
noch nicht bekannt. Die Sau ist etwas angebrannt,
doch nur
vorne an der Schnauze. Das Stück verschwindet in der Plauze,
die der Koch
sein eigen nennt. Der Ritter der zum Pinkeln rennt
hat
Schwierigkeiten mit dem Blech und Prostata und darum Pech.
Der Knappe
der zu Hilfe eilt, hat zu lang auf dem Platz verweilt.
Man trifft
sich in dem Rittersaal, so wie fast ein jedes mal,
denn jeder
will, ganz allgemein, in der Burg gesättigt sein,
in der Logie,
bei freier Kost. Gereicht wird auch ein Krug voll Most,
der dem
Ritter munden soll. Der nimmt seinen Mund zu voll
und der Most
steigt ihm zu Kopf, nach dem zweiten, dritten Topf,
den er sich
zu Munde führt. Vorerst anfangs ungerührt,
nach dem
dritten, vierten Schluck, läuft der zweite Krug ruck, zuck,
durch seine
Kehle in den Bauch; der dritte Krug dann später auch,
nachdem der
Ritter, voll Genuss, vorerst zünftig essen muss
und mit
Hunger essen will. Das vollzieht sich nicht ganz still,
im Geplapper
und Geraune und in allerbester Laune.
Es trifft
sich nun der ganze Tross und den Vorsitz hat der Boss,
in nächster
Nähe zu dem Schwein und ganz dicht am Fässchen Wein.
Es wird
gebrummt, es wird gestöhnt. Doch daran ist man längst
gewöhnt,
seit schon
der Urmensch einstmals schmatzte und sich im Fell die Flöhe
kratzte.
Flöhe
gibt es jetzt noch selten, doch Läuse tun als Standard gelten,
in den
bäuerlichen Schichten, kann man in der Burg berichten.
Die tun sich
manchmal sozusagen auf den Ritter übertragen,
bei dem
näheren Kontakt, entsprechend im bestimmten Akt,
wenn der dem
Landvolk einmal prompt versehentlich zu nahe kommt,
in welcher
Absicht wohl auch immer. Beim Feldzug ist das noch viel schlimmer,
in dem
kunterbunten Haufen wo seltsame Gestalten laufen.
Doch momentan
geht es indessen bei dem Schlachtfeld mehr ums Essen.
Am Tisch
lässt man die Sau heraus und es sieht wie am Schlachtfeld aus.
Die Sau steht
auf dem Tisch als Braten. Der Ritter ist sehr gut beraten,
denn er will
mit dem Dolch dran schneiden. So kann er rechtzeitig vermeiden
dass man ihm
das Beste stiehlt. Der Ritter schneidet ganz gezielt
sich das
beste Stück heraus, denn schließlich ist er Chef im Haus.
Wer auf der
Festung kommandiert, der ist auch zeitig orientiert.
Der Hausherr
der kommt nicht zu kurz und er lässt einen langen Furz.
Der Ritter
rülpst; es stößt ihm auf, und er nimmt den Furz in
Kauf,
der von
gegenüber prompt als Antwort laut herüber kommt.
Der Magen
bläht bei reichlich Furzen. Darum trinkt man einen Kurzen.
Hauptsächlich
trinkt man Bier und Wein. Die Kammerzofe schüttet ein
und sie hat
sich schick gemacht. Auf ihren Busen gibt man acht.
Sie wendet
ganz gekonnt im Dreh den Ausschnitt von dem Dekolleté
geschickt dem
Ritterhauptmann zu. Das bringt den Ritter um die Ruh,
der sich gut
darauf versteht. Dass für ein Goldstück alles geht
weiß
auch die Zofe in der Kammer und der Ritter ist ein Strammer.
Der Ritter
kramt in den Dukaten. Die Zofe hat dazu geraten
und sie macht
dem Ritter Mut, denn Nebeneinkünfte sind gut.
Dafür
ist sie zum Ritter nett. Den bringt sie in der Nacht zu Bett,
ohne dass sie
noch zum Schluss allzu tätig werden muss,
denn der
Ritter der ist voll und kein bisschen Liebestoll.
Er murmelt
sich was in den Bart. Das klingt als kommt er nicht in Fahrt,
was die Zofe
ganz bestimmt erleichtert gern zur Kenntnis nimmt,
denn da ist
ja noch der Knappe, der noch junge und nicht schlappe.
Es endet
diese Weih Nachts Feier, trotz delikater Wachteleier
und allerlei
von Köstlichkeiten für den Ritter schon beizeiten,
der
schnarchend wie im Koma liegt und keinen Liebesdienst mehr kriegt.
Am Morgen
liegt er ziemlich triste mit dem Brummkopf in der Kiste
und ihn quält
der dicke Schädel und er weiß nichts mehr vom Mädel
und von
seinem Golddukaten hat die auch nichts mehr verraten.
So ist das
Leben manches mal im so genannten Rittersaal
und
ritterlich geht es dort zu. Die stille Nacht bringt dann die Ruh,
wenn Käuzchen
am Gemäuer fliegen und alle in der Ecke liegen.
Kurz vor
Mittag macht der Ritter in der Küche ein Gewitter,
weil der Koch
am Ofen döst, dem er in die Rippen stößt
und weil die
Kammerzofe prompt vom Knappen aus der Kiste kommt.
Die kommt
erst spät, aus dem Grund weil, mit aufgeknöpftem Oberteil,
das wird nun
dem Ritter klar, die Nacht mit Stress verbunden war,
für das
liebe Zimmermädchen. Der Knappe zieht am Strick mit Rädchen
den
Wasserkübel nicht sehr gerne aus der tiefen Burgzisterne,
weil der
Ritter, wenn es raucht, den kalten Eimer Wasser braucht,
auf seinem
ziemlich dicken Kopf. Nass wird auch der alte Zopf,
den der
Ritter hinten trägt. Wen der Fürst zum Ritter schlägt,
dem gehört
der Rittersaal. Der Knappe wird vielleicht einmal
der nächste
Ritter im Geschehen, denn der Ritter tut gestehen,
dass er gern
in Rente geht, solange wie er noch besteht
und nicht
geköpft am Boden liegt, als alter Mann vom Feind besiegt.
Der Ritter
geht in die Pension. Die Zofe hat der Knappe schon.
H. Feisel
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