Glotze
Glotze.
Der gute Mann, der kommt nach haus und zieht sich seine Schuhe aus, ist viel zu müde um zu hüpfen, tut in die Pantoffel schlüpfen, wäscht sich die Hände währenddessen und er will noch etwas essen. Er sitzt dann bei dem Abendbrot, wie erschlagen und fast tot, nach einem harten Arbeitstag, bedingt durch den Tarifvertrag. Früh am Morgen war er frisch. Nun sitzt er müde an dem Tisch und schlürft an seiner Tasse Tee. Lieber wäre ihm Kaffee, denn der soll ja munter halten, spricht er nun zu seiner Alten. Er verbrennt sich fast die Zunge. Er ist auch nicht mehr der Junge, nicht mehr der Jüngste, wie er meint, weshalb er häufig müde scheint. Das Wetter ist vielleicht auch schuld. Sein Chef verliert oft die Geduld, wenn er über Schmerzen klagt und nach Sonderurlaub fragt. Er spürt am Abend alle Knochen, hat er zu der Frau gesprochen. Man wird halt mit den Jahren älter und der Gattin wird es kälter, die sich in die Decke hüllt, wenn er sich sein Bierglas füllt, wie jeden Abend, in der Tat, vor dem Fernsehapparat. Den Aufwasch hat die Frau gemacht und es wäre doch gelacht, wenn die das nicht noch lange kann, angesichts vom Ehemann. Der hat innerhalb der Wände häufig nur zwei linke Hände, kann aus dem Grund sozusagen, selber keinen Müllsack tragen, geschweige denn den Aufwasch machen. Und so ist es mit vielen Sachen, wenn der Gatte nicht versteht, wie so was zu machen geht. Er hantiert mit seinen Flaschen. Die Gattin die beginnt zu naschen, die sich an dem Couchtisch regt wie sie es zu halten pflegt. Noch ist der Mann im Sessel munter. Vierzig Kanäle rauf und runter, tut er an den Knöpfen schalten, denn er will sich unterhalten. Die Unter Haltung hat er dann, wenn er sich nicht mehr halten kann, wenn er die Haltung ganz verliert, was ihn zum Schlafen animiert. Er nickt ein beim Gläschen vier und schuld daran ist nur das Bier, das ihn jeweils, "Gute Nacht", bekannt ziemlich schläfrig macht. Oder war der Bildschirm schuld? Er verliert oft die Geduld, beim vielen rauf- und runterschalten, denn er will sich unterhalten. Die Fußballmannschaft hat verloren, denn es fehlte wohl an Toren. Die Nachrichten hat er geschaut, dabei hat es ihm gegraut, das Journal noch halb gesehen und manches tat er nicht verstehen. Als ihn die Werbung nicht mehr stört, hat er gar nichts mehr gehört. Doch wacht er ständig im Verlauf durch das Geballer wieder auf. Er schaltet um, in seiner Wahl, und das wird ihm auch zur Qual, weil man ständig jault und johlt und sich das Ballern wiederholt. Die Gattin hat dazu gelernt und sich in ihr Bett entfernt. Er meint er hat genug geglotzt und vieles hat ihn angekotzt. Er gelangt zu dem Entschluss, dass er bequemer schlafen muss. Mühsam hebt er seinen Kopf. Dann drückt er auf den roten Knopf. H. Feisel
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