Stimmbruch.
Wenn sich junge Pärchen freien tut bald ein kleines Baby schreien,
nach dem guten alten Brauch. Häufig aber früher auch,
bevor man vielleicht, irgendwann, eine Hochzeit feiern kann,
mit dem Kind beim Hochzeitsfest. Liegt das Baby noch im Nest,
dann strapaziert es seine Stimme, manchmal wütend und im Grimme,
weil es seinen Hunger spürt, der zur lauten Stimme führt,
die heftig und ganz ungeniert, in der Wiege protestiert.
Führt die Lässigkeit der Mutter, verzögert im Termin zum Futter,
dann tönt die Stimme, die erklingt, die Väter zur Verzweiflung bringt.
Das Baby, das sich orientiert, hat die Stimme aktiviert,
weil es ganz bestimmt was will. Wunschlos schläft es eher still,
wenn die laute Stimme schweigt und nicht zu Protesten neigt.
Das Paar muss sich daran gewöhnen und das Baby schnell versöhnen,
wann immer der Alarm beginnt. Nachdem im Schlaf die Zeit verrinnt,
schlägt, vielleicht mit leerem Darm, das Baby wieder schnell Alarm.
Mit vollen Windeln sozusagen und mit einem leeren Magen,
will das Baby allgemein nicht gerne still zufrieden sein,
wenn es dieses laut bemängelt und beinah schon die Mutter gängelt.
Ist die Mutter nicht zur Stelle, dann klingt es weiter ziemlich grelle,
alles andere als heiter, im erbosten Tonfall weiter.
In Entrüstung tönt es laut, bis der Vater nach ihm schaut.
Der leitet nun genervt ganz rege das Geschaukel in die Wege,
an der Wiege, die sich wiegt und in der das Kindlein liegt.
Das beruhigt sich nur schlecht, denn irgend was ist ihm nicht recht.
Das Kind hat's Schreien gut gelernt. Vom Stimmbruch noch sehr weit entfernt,
übertönt es beinah alles und schweigen tut es keines Falles,
solang es nicht den Willen kriegt. Wenn es wieder ruhig liegt,
dann muss es wohl zufrieden sein. Anfangs ist das Kind noch klein,
doch dann wächst es, im Lebenslauf, allmählich immer mehr hinauf
und es wird länger im Format, bis es einmal, in der Tat,
länger als der Vater scheint, wie die Mutter schließlich meint.
Der Vater wirkt schon fast verlegen und er tut zugrunde legen,
dass schon bald der Stimmbruch kommt. Die Stimme klingt dann plötzlich prompt
und bedrohlich beinah schon, in einem ziemlich tiefen Ton.
Die hohen Töne, in dem Haus, klingen nun für immer aus,
und der tiefe Tonfall lehrt, dass sich bald kein Kind mehr wehrt.
Ob der Vater sich am Schluss, zunehmend bald schützen muss,
vor dem Tonfall, dem oft lauten, in dem Stimmbruch, dem vertrauten,
das muss der Vater selber wissen. Der hat sich dereinst auch gebissen,
in dem Stimmbruch der geschah, als er den Vater kritisch sah.
H. Feisel
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