Stöhnen.
Wer will sich denn das Stöhnen im Alltag angewöhnen,
es sei denn dass er so verfährt, weil sich sein Stöhnen gut bewährt.
Gut versorgt mit Spitzenlöhnen haben die kein Grund zu stöhnen,
die keine Not im Leben kennen. Die viel stöhnen oder flennen
die tun das meistens in der Not und wer nicht stöhnt der ist schon tot.
Manche stöhnen, mit viel Kraft, aber nur aus Leidenschaft,
denn mancher Mensch der will auf Erden im Stöhnen gern bedauert werden.
Im Stöhnen tut die Absicht lauern, hervorgerufen im Bedauern,
dass wer stöhnt geholfen kriegt. Wer stöhnend wie am Boden liegt,
den kann man als gequält betrachten, oder auch total verachten.
Es stöhnt der Mensch oft, ohne Rast, unter seiner schweren Last,
denn dieselbe muss er tragen, wenn auch meistens unter Klagen.
Übermäßig stark gelöhnt hat keiner beim Gehalt gestöhnt
und in Folge vom Profit stöhnt keiner bei dem Stöhnen mit.
Geht der Profit vielleicht dem Toren irgendwie total verloren,
dann stöhnt derselbe seine Laute, weil er dem Profit vertraute.
Stöhnen kann der Arme still weil er nur was knabbern will
und stöhnen kann der Reiche laut, weil er auf die Pauke haut.
Wer allzu gern und eifrig stöhnt hat sich das Stöhnen angewöhnt
und mancher stöhnt mitunter wohl, unter reichlich Alkohol.
Wer sich wohl fühlt muss nicht stöhnen. Warum die mit Spitzenlöhnen
ab und an viel stöhnen müssen das hängt ab von Börsenschlüssen.
Stöhnen muss der ganze Tross unter manchem Firmenboss,
wenn sich alles Unglück häuft und wenn nichts mehr richtig läuft.
Laut ergibt sich viel Gestöhne beim Tarifbeschluss der Löhne,
in der Menge, die laut stöhnt, sie wäre viel zu schlecht gelöhnt,
und bei denen die das hören und dadurch den Ruin beschwören,
in den kompetenten Kreisen. Stöhnen tun die Wirtschaftsweisen,
angesichts der Konjunktur und die Bilanz ist leider nur,
gewisserweise, sozusagen, nur im Stöhnen zu ertragen.
Auch die Rentner wollen stöhnen. Die Alten tun sich angewöhnen
die Gesundheit zu beklagen. Die sich mit dem Gedanken tragen
ihr Lebensende einzuschätzen stöhnen gern an manchen Plätzen
und manche stöhnen in dem Drang häufig dabei jahrelang
und werden noch beim Stöhnen alt. Ist es einmal ziemlich kalt,
dann stöhnen Leute weil sie frieren. Der Bauer stöhnt bei wilden Tieren
die auf seinem Acker wühlen. Stöhnend kann man sich verkühlen,
oder in der Hitze sitzen und stöhnend bei der Hitze schwitzen.
Stöhnen kann man immer wieder tagtäglich in dem Auf und Nieder,
stöhnen kann man überall, entsprechend in dem Intervall.
H. Feisel
Kommentare