Obstler.
Die meisten Gärten sind gezaunt. Mitunter ist man schlecht gelaunt,
weil irgend jemand ganz gezielt wieder zu den Bäumen schielt,
zu den Büschen und den Ranken, ohne sich je zu bedanken
für viel Obst und für die Beeren. Daheim tut der den Eimer leeren
und der Inhalt ist geklaut, während er schon Pflaumen kaut.
Wenn ihm wieder, was er hasst, irgend etwas garnicht passt,
dann ist er schlecht aufgelegt, wie man so zu sagen pflegt,
denn man raunt, in dem Verdacht, dass er ständig Beute macht.
Wie ein Hamster schleicht er dort mit dem Eimer durch den Ort,
wenn er wieder Pflaumen klaut und in jede Ecke schaut.
Auch die Äpfel sind ein Segen und kommen manchem sehr gelegen,
auf fremdem Territorium. Es treibt sich dauern einer rum,
mit dem Eimer in der Hand. Der ist voll bis zu dem Rand,
inzwischen nicht das erste mal. Das Fallobst schmeckt schon meistens schal,
weshalb der Deutsche ganz bestimmt lieber frische Ware nimmt.
In Deutschland kommt die Ware frisch möglichst zeitig auf den Tisch.
Darum wird im Dorf, in Hessen, mit vermehrten Interessen,
manches Obst vom Baum gepflückt. Heimlich hat sich schnell verdrückt
wer mit dem Gedanken spielt dass er Nachbars Früchte stiehlt,
denn der Nachbar kommt zurück. Der Dieb verzieht sich dann ein Stück.
Mundraub sei, wie es sich schickt, nur ein Kavaliersdelikt
hat der mit Eimer still gedacht, als er sich auf den Heimweg macht,
mit dem Eimer in der Hand, der voll am Pflaumenbäumchen stand.
Diesen muss er heimwärts schleppen, bis nach unten vor die Treppen,
hinein in seine Kellertür. Niemand kann etwas dafür,
für viel Obst im Überschuss, das verwendet werden muss,
wenn es nicht verfaulen soll. Viele Gläser stehen voll
in Reih und Glied in dem Regal. Von Jahr zu Jahr kommt jedesmal
ein Quantum wieder neu dazu, denn das Pflücken geht im Nu,
solange nicht der Nachbar schaut, der nicht seinen Augen traut.
Geschickt tut jemand sich an Kirschen, heimlich im Gelände pirschen
und etwas später an die Pflaumen, denn er denkt an seinen Gaumen.
Das frische Obst tut noch nicht stinken. Man kann auch einen Obstler trinken,
beziehungsweise Zwetschgenwasser. Hochprozentiges schmeckt krasser
als vielleicht das Pflaumenmus. Der Nachbar kommt mit einem Gruß,
angezogen durch Gerüche. Es brodelt in der Kellerküche,
wo es nach Gläsern klirren tut. Das Eingekochte hält sich gut
und in der Menge lange Zeit. Das ist auch die Gelegenheit
den Obstler kostend gut zu nennen. Leider darf man nicht selbst brennen,
sonst wäre der Bedarf an Pflaumen brennend wirksam in dem Gaumen.
H. Feisel
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