Dorfgeflüster 61.
Es babbelt manches dumme Weib nur zu seinem Zeitvertreib,
spricht der Opa etwas matt, gemäßigt aber auch auf Platt.
Wer auf Plattdeutsch Wörter spricht benutzt dabei das Hochdeutsch nicht,
gibt er dabei zu bedenken. Mancher tut die Schritte lenken,
um in hochgedeutschten Schemen manche Wörter im extremen
Hochdeutsch klassisch zu verwenden. Die Fremdwörter, die fast nicht enden,
findet man mitunter auch auf Plattdeutsch in dem Sprachgebrauch,
hat der Städter dann gemeint, wenn er nichts zu verstehen scheint.
Im Akzent mitunter herbe sind manche Worte scheinbar derbe
ein gewisses Resultat mit besonderem Format.
Es will der Opa allgemein im Plattdeutsch noch gemäßigt sein,
entsprechend nach der alten Sitte: keine schlimmen Wörter bitte.
Ganz obszön sind all die neuen Wörter die sich gar nicht scheuen
das allerschlimmste zu beschreiben. Der Opa tut ganz ratlos bleiben
und ist wortlos fortgegangen. Er weiß mit dem nichts anzufangen,
was man als „Obszön“ betreibt, weiß nicht einmal wie man das schreibt.
Die Rechtschreibung, nach der Reform, erweist sich doch als sehr abnorm,
weil der Schreibstil sich verwandelt und weil es sich um Worte handelt,
die der Opa, etwas still, lieber überhören will.
Die Redensart beginnt zu starten, rechtzeitig im Kindergarten.
Was die Kinder von sich geben erweist sich wohl in dem Bestreben,
laut Dorfgeflüster allgemein, als eher grobschlächtig statt fein.
Das Medium will alle bilden und erzieht die neuen Wilden,
die übermäßig und geschwind mit derben Lauten tätig sind.
In neuen Redensarten lüstern, will man nicht mehr länger flüstern
bei allem was die Rede dringend ungehemmt zur Sprache bringend,
im ungeahnten Redefluss, dabei zum Ausdruck bringen muss.
Die Ausdrücke, die man gestaltet, sind schon längst nicht mehr veraltet,
sondern inzwischen ganz modern. Zurückhaltung liegt denen fern
die manchen Ausdruck gern erfinden und mit dem neuen Stil verbinden.
Die sich einstmals noch genierend, das Palaver praktizierend,
in dem Dorfgeflüster zeigen, beginnen ganz schockiert zu schweigen,
angesichts der neuen Fakten, mittels der nun ganz vertrackten
allgemeinen Redewendung in gravierender Vollendung
dessen was gesagt sein will. Das geschieht nicht ganz so still,
wie es vor dem üblich war und es wird nun manchem klar
dass er zu viel Scheiße plappert, wenn er mitunter geifernd sabbert.
Die neue Redensart klingt hart und rücksichtslos in Gegenwart
mancher ländlicher Gestalten, die sich sonderbar verhalten.
Die Helga hat sich ungelogen stillschweigend zurückgezogen.
H. Feisel
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