Bauerngemunkel 20.
Der alte Traktor wird, seit Jahren, längst schon nicht mehr viel gefahren,
spricht der Bauer zum Kollegen. Der neue muss sich viel bewegen,
tagein, tagaus, und überall, im vertrauten Intervall,
damit er etwas Geld einbringt, was sicher aber kaum gelingt,
ohne stete Subventionen. Der alte Schlepper kann sich schonen,
der neue aber leider nicht, wie der junge Bauer spricht,
bezüglich auch vom alten Bauern. Der Alte scheint es zu bedauern,
dass die Zeit, an der er hing, als gute alte Zeit verging
und er ist, in all den Jahren, mit dem Traktor so verfahren,
als wäre das sein bester Kumpel. Nun hinkt er aber mit Gehumpel.
Irgendwann ist alles aus. Der alte Bauer liegt im Haus
auf dem Sofa und im Sessel. Er setzt sich nicht mehr in die Nessel
und kann auf den Kredit verzichten. Ein Darlehen will er mitnichten
und lieber will er allgemein schlichtweg nur bescheiden sein
und dabei besser schlafen können, als jene die sich zu viel gönnen,
mit nicht ruhigem Gewissen, übel träumend auf dem Kissen.
Wo viele Diamanten funkeln, tun unter sich die Bauern munkeln,
da glänzt nur der falsche Schein und echt tut selten einer sein,
von denen die begierig fassen und viel Geld verschwinden lassen.
Die falsche Absicht ist nicht echt und hoffentlich geht's den bald schlecht.
Verärgert munkeln tun die Bauern, dass sie jene nicht bedauern,
die geldgeil nie den Hals voll kriegen und dann auf der Nase liegen.
Beim Gemunkel mancher Kunde, in der bäuerlichen Runde,
geht es um den Geldverkehr und es wundert manchen sehr,
wie manche Summe, dann und wann, spurlos ganz verschwinden kann,
jeweils ohne eine Fährte. Es bleibt das Sparbuch, das bewährte,
mit dem mageren Bestand, vorerst noch in seiner Hand.
Der alte Bauer, in der Tat, weiß noch immer was er hat,
wenn auch nicht besonders viel. Das Sparbuch setzt man nicht aufs Spiel
und schwarz auf weiß kann er drin lesen: „Es ist noch alles da gewesen!“
Kann auch das Sparbuch kläglich enden, durch jene die viel Geld verschwenden,
das sie längst nicht mehr besitzen? Den Angstschweiß den beginnt zu schwitzen,
wer die Verantwortung beklagt und alles drauf zu setzen wagt,
auf das hochriskante Ziel, im ganz enormen Zahlenspiel.
Es werden in der Clique oben Zahlen hin und hergeschoben,
die der alte Bauersmann nichtmal richtig schreiben kann,
wegen all der vielen Nullen. Das bisschen Geld für seinen Bullen
kann er an drei Fingern zählen. Zahlen zählen auch beim Wählen,
scheint der Bauer still zu denken und wem will er die Stimme schenken,
für die er jeweils selbst, am Schluss, auch noch drauf bezahlen muss.
H. Feisel

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