Urmenschliches / Stamm.
Der Stammhalter ist laut und stramm und nimmt zu, und das pro Gramm,
weshalb man das Pro-Gramm ersinnt, in dem er an Gewicht gewinnt,
damit er als ein ganzer Mann, das Alphamännchen bilden kann,
etwas später in der Sippe. Der alte Boss gleicht dem Gerippe
und er kränkelt in der Krise. Wer alt wird geht, nach der Devise,
dass er schwächelnd, bis zum Schluss, der neuen Herrschaft weichen muss.
Es soll der Stamm erhalten werden, wenn auch oft mit viel Beschwerden.
Der Stammhalter der muss herbei. Er wird vollgestopft mit Brei,
den er nach und nach verdaut. Die Mutter hat ihm vorgekaut.
Wer im Stamm sehr kräftig strampelt, hat später auch viel rum gehampelt.
Wer am meisten zittern kann, der ist der größte Hampelmann
und kann kein großer Krieger werden. Ein guter Jäger folgt den Herden,
bei denen er sein Wild erlegt. Wer sich schleichend fortbewegt
versteckt sich hinter dicken Stämmen, um das Gelände zu durchkämmen.
Die große Buche wurzelt tief, und der Medizinmann schlief,
in dem Schatten von der Buche, nach der erfolgten Kräutersuche.
Inzwischen ist der in den Jahren, doch in der Theorie erfahren
und mit Bequemlichkeit vertraut, weshalb er meistens schläfrig schaut,
kritisierend all die Jungen. Früher ist er auch gesprungen,
so wie all die Plagegeister. Nun ist er Zeremonienmeister.
In dem Schatten einer Eiche faulenzt oft der Chef, der bleiche,
die pralle Mittagssonne meidend. Unter Schweißausbrüchen leidend
kann er leider sozusagen die Mittagshitze kaum ertragen.
Daher wird er selten braun. Die sich mehr an die Sonne trau´n,
oder aber trauen sollen, obwohl sie auch nicht schwitzen wollen,
die müssen vielerlei hantieren. Der Chef will lieber kommandieren.
Einer muss möglichst, ganz allein, der Kommandant im Stamme sein,
sonst wird der Widerspruch zu groß. Gewählt wird einer immer bloß,
einstimmig in der Gestaltung, mit höchstens einer Stimmenthaltung.
Wer von sich glaubt dass er viel zählt, der ist damit schon gewählt.
Der Stamm verzweigt sich in den Ästen. Der dicke Häuptling lässt sich mästen,
was er wohl zugrunde legt und hat sich nicht mehr viel bewegt,
seit seiner Regierungsphase. Es drückt ihn häufig nur die Blase,
die er oft entleeren muss. Ansonsten zehrt er vom Genuss,
beim allerbesten Gaumenschmaus. Weitaus größer ist sein Haus,
angemessen seiner Größe und der Bauch gibt sich die Blöße,
denn es verrutschen, an der Stelle, immer wieder seine Felle.
Ist er schwergewichtig satt, dann wird er müde und ganz matt.
Dem Nachfolger steht das bevor, was man als Tradition beschwor,
in dem elitären Gral, schon seit anno dazumal.
H. Feisel

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