Urmenschliches / Sohlen.
Der Urmensch krabbelt irgendwie und kriegt beim Kriechen wunde Knie,
denn er geht noch nicht auf Sohlen. Man hat ihm erst noch nicht empfohlen,
sich vom Boden aufzurichten und gehen kann er noch mitnichten,
eventuell auf großen Füßen. Später tut man es begrüßen,
dass man, auf dem Weg bestrebt, gern auf großem Fuße lebt.
Auf großem Fuß da lebt noch heute der Urmensch innerhalb der Leute,
oben an der ersten Stelle. Sitzt der Urmensch an der Quelle
kann er als Erster Wasser trinken. Wenn die großen Füße stinken,
dann kann er die ins Wasser tauchen und Seife tut er noch nicht brauchen.
Er tut nicht nach der Seife greifen, um sich einmal einzuseifen.
Wie gesagt, im Lebenslauf, richtet sich der Urmensch auf,
um die Dinge zu verrichten, auf die andere verzichten.
Der Affe spielt da nicht mehr mit und verzichtet auf den Schritt,
der ihm die Kariere brächte, was sich aber sicher rächte.
Der Urmensch aber, dem gelingt, was ihm die Karriere bringt,
im dauerhaft bedingten Stress, im engen Kreis bei dem Kongress,
wo die im Kreis mitunter kauern deren Pläne lange dauern,
weil sie nicht praktikabel sind. Theoretisch ist geschwind
der Urmensch, wie auf blanken Sohlen, laufend wie auf heißen Kohlen,
in dem Lebenslauf gerannt. Das war ihm früher schon bekannt.
Den Lebenslauf, auf großen Füßen, tut er sich damit versüßen,
indem er gerne Honig schleckt, der ihm ganz vorzüglich schmeckt.
Diesen muss er vorher finden und die Bienen überwinden,
die dabei zu stechen neigen. Kletternd muss er höher steigen.
Er ist ein zäher Klettermaxe und nun verschickt er nur noch Faxe,
Briefe, Emails und so weiter, denn er ist ein Hochgescheiter.
Nun lebt er im Schlaraffenland, eingehüllt in ein Gewand,
seine Nacktheit gut verhüllend. Das Gewand, sich straffend füllend,
wird um den Bauch herum zu eng und irgendwann dann macht es Peng,
weil der Urmensch kaum noch läuft und nur noch frisst und vieles säuft.
Die Sohlen hat er ausgetauscht, wo er mit heißen Sohlen rauscht,
mit Hochgeschwindigkeit beim Wahn, mitten auf der Autobahn.
Der Urmensch ist im Lebensstil viel zu bequem und doch mobil,
weil das Auto sich bewährt mit dem er ganz mobil verfährt,
als sei das, an jedem Platz, sein bewegter Untersatz.
Er wird mit seinem Auto eins und das liebt er wie sonst keins.
Ohne dass er laufen muss, kommt er so in den Genuss,
aller seiner Möglichkeiten, anders als zu jenen Zeiten,
als er noch, weit davon entfernt, vom Fahren, erst das Laufen lernt.
Sein Auto das bewegt sich viel und trotzdem kommt er nie ans Ziel.
H. Feisel

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