Dorfgeflüster 53.
Auch im Winter ist man lüstern und man möchte gerne flüstern.
Wäre es bloß nicht so kalt, denn mancher ist schon viel zu alt
und hat keine Hitze mehr. Darum friert ein solcher sehr,
wenn er in die Kälte geht und dabei noch schwätzend steht,
sich mitunter ziemlich stressend, alle Kälte fast vergessend.
Hoffentlich wird es bald wärmer, sonst wird mancher immer ärmer,
durch viel Heizungsenergie, denn die kostet, wie noch nie,
einen kapitalen Batzen. Die Wasserleitung könnte platzen,
wenn man, auf die kluge Art, nach Süden fahrend, Kosten spart
und am Heizungsrädchen dreht, das auf Null im Winter steht.
Mancher Mann, als alter Greis, gleicht einem kalten Zapfen Eis,
schimpft verächtlich laut die Ilse und keiner in dem Dörfchen will se.
Der alte Tatterich indessen, bekleckert sich am Tisch beim Essen,
während er, durch den Bauch bedingt, noch manchen Brocken unterbringt.
Auch der Hund verschlingt viel Häppchen. Die kalte Glatze braucht ein Käppchen,
draußen in der argen Kälte. Wer illegal den Christbaum fällte,
hat sich mit dem davon gemacht und was bleibt ist der Verdacht,
soweit noch kein Beweis besteht. Was zweifellos zu machen geht,
das wäre stets, in bester Laune, das intensive Dorfgeraune,
über mancherlei Verdacht, der ein Gerücht perfekter macht.
Man kann, bei vielen Interessen, beinah den kalten Frost vergessen,
wenn man nicht bald, an dieser Stätte, eisig kalte Füße hätte,
wo man manches, aus der Sicht, der Wissbegierde, neu bespricht.
Wer ist wann und wo berauscht, weil er so viel Flaschen tauscht,
alle leeren gegen volle und wer kriegt sich in die Wolle.
Wer sich im Auto überschlägt, wer sich mit dem Gedanken trägt
das Auto endlich still zu legen, um das nicht mehr zu bewegen.
Wer kann ohne Führerschein bequemer ganz flexibel sein,
weil, mobilitäts bedingt, ihn die Verwandtschaft unterbringt,
gewisserweise, sozusagen, mittels noch aktivem Wagen.
Das was im Dorfbild existiert das wird ziemlich unzensiert,
ganz diskret publik gemacht und jeder gibt auf alles acht.
Es ist das Dorfbild oft mitnichten ganz kritiklos zu berichten
und oft bleibt nichts als eine Lücke. Mitunter hilft die Eselsbrücke,
wenn einer schlecht begreifen will und wer nichts weiß ist besser still
und hört lieber denen zu, die nicht selten und im Nu,
augenblicklich vieles wissen, weil sie schnell und ganz gerissen
die aktuelle Bildung plappern. Wer lange friert muss ziemlich klappern.
Hitzig ist die Dorfdebatte, die man zu berichten hatte,
trotz dem vorerst kalten Klima. Bald wird es Frühling, das wird prima.
H. Feisel

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