In den Tag hinein / Urmenschliches.
Der Mensch lebt in den Tag hinein. Es kann nicht von Bedeutung sein,
wenn er im Alltag, den er sieht, vor den Konsequenzen flieht.
Der konsequente Mensch der Zeit sieht deutlich die Vergänglichkeit
und will sich nicht der Sicht entziehen, vor der die meisten sinnlos fliehen,
ohne dass sie sinnvoll reifen und im Sinn viel mehr begreifen.
Die ganze Wirklichkeit im Raum begreift der Mensch im Wissen kaum.
Doch ist es ihm im Sinn erlaubt dass er an ein Wissen glaubt,
das die Götter überbrachten, die den Sinn erkennbar machten
und die den Glauben daran fordern. Die Welt will nur das Ihre ordern,
mit Hilfe ihrer Wissenschaft, doch bleibt ihr Wissen mangelhaft.
In den Tag hinein zu leben, in dem menschlichen Bestreben,
schon seit urmenschlichen Zeiten, das tut den Lauf der Welt begleiten,
im steten Alltag, das ist Fakt, und die Gewohnheit formt den Takt.
Der Urmensch lebt zum Tag hinein und kümmert sich nur ganz allein,
im alltäglichen Kampf, ums Fressen, milde ausgedrückt, ums Essen.
Wer süchtig wird, in seiner Gier, der sucht, im Gegensatz zum Tier,
ziemlich krankhaft in dem Leben und unersättlich im Bestreben,
im Karrierestress der Nerven, nach unerschöpflichen Reserven.
Das Raubtier muss, mit leerem Magen, notgedrungen Beute jagen,
doch der Mensch jagt, sozusagen, um so mehr mit vollem Magen.
Das Tier versteckt den Rest der Beute. Der Urmensch aber, hier und heute,
ist krankhaft in dem Seelenfrust und sammelt, krank vor Beutelust,
auch das was er nicht irgendwann, tatsächlich je gebrauchen kann.
Er sammelt aus Prestigegründen und will als Primat verkünden,
als eine Größe, wenn es geht, dass er fest im Leben steht,
bezeichnend als ein Alphamann, der sich bewundern lassen kann.
So hat er insgeheim beschlossen, vor der Clique der Genossen,
all den Neid, in dem Geschehen, als erhebend anzusehen,
im erheblichen Gefühl. Auf Beute heiß, nach außen kühl,
will er sich bewundern lassen und den Neid den tut er hassen.
Der Urmensch meint er sei allzeit von immenser Wichtigkeit,
solange er sich wichtig macht, in der materiellen Pracht.
Er glaubt er sei hoch aufgerichtet, wenn er nicht darauf verzichtet
scheinbar viel zu überragen. Im Sammelsurium, sozusagen,
lebt er abgelenkt zum Schein sinnlos in den Tag hinein,
in Selbsttäuschung und wie von Sinnen. Wie kann er die Substanz gewinnen,
die, die Seele innen füllt? Der Mensch wär´nackt und unverhüllt,
als ein nur mangelhafter Geist, wie es sich real erweist,
würde er sich nicht verkleiden. Es lässt sich darum schwer vermeiden,
in dem unbewussten Streben, in den Tag hinein zu leben.
H. Feisel

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