Aufgeblasen / Gleichung.
Diskussionen ohne Ende führen auch zu keiner Wende.
Wie im lauten Froschgequake, in der modrigen Kloake,
wo die Frösche, die sich zeigen, aufgeblasen dazu neigen,
die Wichtigkeit an ihren Plätzen gegenseitig abzuschätzen,
so ähnlich geht es, in dem Brauch, politisch lauthals meistens auch.
Die Sprechblasen sind angesagt. Wer im Ton dort überragt,
der bläst sich wohl, in dem Verlauf, genau so wie die Kröte auf.
Auf sich aufmerksam zu machen, tönend in gewissen Sachen,
ist die Absicht bei den Kröten. Das laute Quaken sei von Nöten,
scheint auch der Frosch ganz laut zu meinen und darum will er wichtig scheinen.
Mit prallem Kehlsack aufgeblasen tönt es in bestimmten Phasen
insbesondre ziemlich laut. Wenn jemand auf die Pauke haut,
beim Rednerpult, am Mikrophon, dann ähnelt der dem Frosch im Ton,
im Bundestag, bei der Debatte. Es quakt der Frosch, der nimmersatte,
nach Anerkennung, in der Tat, und darum tönt es laut im Rat.
Aufgeblasen, das ist richtig, macht ein jeder Frosch sich wichtig,
damit man ihn nicht überhört. Im Durcheinander wie betört
tönt es im Wirrwarr kreuz und quer. Wo kommen all die Töne her,
könnte man mitunter denken. Große Töne zu verschenken
das scheint den Fröschen und fast allen eigentlich nicht schwer zu fallen.
Ob der Frosch, aus dieser Sicht, all das hält was er verspricht,
oder zu versprechen scheint, wie er im Versprecher meint,
das bleibt einmal dahin gestellt. Es lebt der Frosch in seiner Welt,
die er sich in der Redeschlacht tönend gern zu Eigen macht,
beim Gedöns der vielen Kehlen, beziehungsweise beim Krakeelen.
Ins Froschkonzert laut einzustimmen und die Kehle mit zu trimmen,
das liegt dem jungen Frosch nicht fern, denn er quakt ja auch schon gern,
um ein Wörtchen mitzureden. Die Tonübung betrifft wohl jeden
der, in dem Gedöns nicht still, mit lautem Ton was gelten will.
Beim Durcheinander aller Töne ist das akustisch nicht das Schöne.
Es fehlt wohl doch der Dirigent. Die Harmonie, die keiner kennt,
kommt irgendwie im Ton abhanden. Die Redefreiheit zugestanden,
erklingt das Wirrwarr wie ein Trick der konfusen Politik.
Wer kann der will nach vorne drängen, um nicht hinten rum zu hängen
und darum stimmt er, irgendwann, lauthals große Töne an.
Er bläst sich auf, in voller Lust, im Kehlsack und mit stolzer Brust,
während er mit Tönen kämpft, bis er erschöpft die Kehle dämpft,
bedingt durch all die Konkurrenten, mit ihrerseits den Argumenten,
die sehr laut im Raum, vor allen, aus dem Hintergrund erschallen.
Irgendwann wird es ganz still, weil keiner etwas wissen will.
H. Feisel

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