Affäre.
Wenn bloß nicht immer die Affäre offiziell verbreitet wäre,
in der bunten Illustrierten. Spätestens im dritten, vierten
so genannten Klatschkapitel, steht mit einem fetten Titel,
die Affäre auf der Seite. Das Bild ist eine Augenweite,
meistens aus dem Grunde, weil, mit bloßgelegtem Oberteil
einer großbusigen Dame. Nebenbei steht die Reklame,
entsprechend von dem Busenstraffer. Insgeheim meint jeder Gaffer,
wie immer es zu machen geht, dass der Busen dann gut steht,
wenn er fest und rundlich scheint. Der Mann von Welt hat auch gemeint,
manches schnuckelige Weib, sei gut für seinen Zeitvertreib.
Den Aufruhr hätt' er gern vermieden. Ganz energisch und entschieden
leugnet er den Tatbestand. Die Presse hat was in der Hand,
das man schnell verbreiten muss. Das Foto zeigt den heißen Kuss,
von dem die Gattin lang nichts weiß und der Biedermann ist heiß,
denn er zeigt sich, ungelogen, innigst auf den Sex bezogen,
mit der üppigen Blondine. In der Sprengkraft einer Mine
tut die Gattin explodieren. Die Beherrschung kann verlieren,
wer von dem Skandal erfährt. Auch wenn es manchmal lange währt,
bis man die Liebelei entdeckt, die im Detail verborgen steckt,
so kommt es doch, mit einem mal, zum erläuterten Skandal.
Die Einzelheiten von den Trieben hat der Redakteur beschrieben,
was die Gattin, mit Verdruss, dadurch auch erfahren muss
und der Schnappschuss ist gelungen. Der Gattin ins Gemüt gedrungen,
was man kaum bestreiten kann, ist die Affäre von dem Mann,
der viel gestresst und Tag und Nacht hartnäckig Karriere macht.
Abfindung und Unterhalt sind danach, in der Gestalt,
aus der Karriere, im Extremen, dem entsprechend zu entnehmen,
weshalb der Spitzenlohn vielleicht ihm fast nicht mehr zum leben reicht.
Die Gattin die ist anspruchsvoll und die Affäre die ist toll,
in der ein strammes Weibchen prahlt, dass der Karrieremensch bezahlt.
Die Affäre gilt als schick und manchmal reicht auch nur ein Trick,
damit der freie Pressemann wieder viel berichten kann,
in großen Lettern, so wie diesen: „Die Affäre ist bewiesen!“
Die Prominenz geht auch sich raus und ist auf die Affäre aus,
die das Medium hilfreich bringt, damit die Werbung gut gelingt,
im öffentlichen Interesse, wenn es sein muss auf der Messe,
oder vielleicht nach dem Ball. Gelegenheit ist überall
für die entsprechenden Kontakte. Verwendet wird die Scheidungsakte,
die, die Affäre nach sich zieht, was manchmal mehrfach neu geschieht.
Wenn bloß nicht immer die Affäre öffentlich verbreitet wäre.
H. Feisel
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