Schneeglöckchen.
Wo Schneeglöckchen im Garten stehen tut der Winter langsam gehen
und vielleicht, in diesem Zeichen, vor der Frühlingssonne weichen.
Das Schneeglöckchen tut sozusagen den frühlingshaften Anfang wagen,
manchmal schon beinah verfrüht, bevor noch irgend etwas blüht.
Die Spitzen treiben, rund ums Haus, und sonst wo aus dem Schnee heraus
und trotzen dabei aller Kühle. Frühlingshaft sind die Gefühle,
die ein mancher schon empfindet, wenn er das Glöckchen blühend findet,
irgendwo noch halb versteckt. Manchmal bleibt es unentdeckt,
sprießend zwischen Gras und Klee, unterhalb von Eis und Schnee,
bis es, vom Sonnenstrahl geweckt, sich dem Licht entgegen streckt.
Als ein erster Frühlingsbote zeigt es sich in dieser Note,
in der das Leben neu erwacht. Das weiße Glöckchen vorgebracht
hat das Pflänzchen noch beim Frost und beim kalten Wind von Ost
trotzt es allen Schwierigkeiten, um schon frühzeitig, beizeiten
sich zwecks dem Leben sozusagen als allererstes vorzuwagen,
wenn alles noch den Winter scheut. Jedes Jahr kommt stets erneut
das Schneeglöckchen ans Tageslicht. Es freut der Mensch sich aus der Sicht,
der den Frühling neu erwartet, der in diesem Zeichen startet,
wo das Schneeglöckchen wieder blüht. Wenn erst die Sonne Licht versprüht,
dann tun auch bald die Knospen treiben, denn es kann nicht Winter bleiben.
Es schmilzt das letzte Eis dahin und die Natur erwacht im Sinn,
der alles zu der Blühte treibt. Das Schneeglöckchen das nicht mehr bleibt,
hat nun schon, im großen Plan, damit seine Pflicht getan,
als der Vorbote des Lebens. Der Winter wehrt sich ganz vergebens,
mit etwas Nachtfrost und mit Reif, vielleicht beim grauen Nebelschweif,
der tief in mancher Senke hängt und den die Sonne noch verdrängt.
Langsam verblüht das weiße Glöckchen. Im Baum da springt ein Eichhornböckchen,
auf den Ästen kreuz und quer, hinter seinem Weibchen her,
in der erwachten Liebeslust. Doch mancher Mensch empfindet Frust,
weil er weiß, was er auch treibt, dass er wieder einsam bleibt.
Das Schneeglöckchen ist nun verblüht, wie die Liebe die verfrüht
erfolglos auf der Strecke blieb, so wie der Dichter es beschrieb,
in der ersten Jugendliebe und im frühlingshaften Triebe,
der Natur die neu erwacht und wieder buntes Leben macht.
Das Schneeglöckchen das kann nicht bleiben, wenn all die vielen Knospen treiben,
in Vielfalt und sehr Artenreich. Es kam zuerst und ging dann gleich,
denn es hat der Blütenpracht das Leben zeitig vorgemacht.
Folglich ist es, unbestritten, dem Leben längst vorausgeschritten,
in dem ersten Schritt des Lebens und des alljährlichen Bestrebens
die Todeskälte zu durchdringen. Die Wärme tut das Leben bringen.
H. Feisel
Thanks for writing this.
Kommentiert von: Camdyn | 23. April 09 um 03:08 Uhr