Weihnachtsfeier im Betrieb.
Die Weihnachtsfeier im Betrieb, solang man schwarze Zahlen schrieb,
war dem Chef stets angenehm und er saß dann stets bequem,
gern zentral im Mittelpunkt. Er hat dann immer gern geprunkt,
am Rednerpult, am Mikrophon und er sprach, im stolzen Ton,
von den Erfolgen der Fabrik, durch sein persönliches Geschick.
Man hat ihm oft viel applaudiert und er hat sich nie geniert,
den Applaus gern anzunehmen, bei schwarzen Zahlen den bequemen.
Er hat es sich bequem gemacht und sich Geschenklein ausgedacht,
Kugelschreiber, das ist klar, und Diverses das ist wahr,
und Kleinigkeiten, die man sah, solange dieses Fest geschah.
Es sprach der Chef, stets in der Tat, von der Firma im Format
und von den Erfolgsaussichten, tat er jedes Jahr berichten.
Wenn er das einmal nicht mehr kann mutiert er schnell zum Weihnachtsmann,
hat man im Betrieb geahnt, nachdem er sich total verplant.
Die Weihnachtsfeier findet statt und der Chef wirkt müd und matt
und spricht nur am Mikrophon, ganz verhalten in dem Ton,
einen kurzen Augenblick, angesichts vom Missgeschick,
das ihm leider widerfuhr. Er setzt sich kurz, blickt auf die Uhr
und hat diesmal ein Termin. Zu dem muss er ganz dringend hin.
Danach eilt er ins Büro, zu dem Termin auf seinem Klo.
Die Geschenklein, das wird klar, sind in diesem Fall nun rar.
Und kann man auf die Firma trinken? Den Chef, den einstmals immer flinken,
vermisst man bei der Weihnachtsfeier. Ansonsten folgt die alte Leier,
mit Prost und Plätzchen, Trallala, mit Kerzen und et cetera.
Die Weihnachtsfeier geht vorbei, schon recht früh, so gegen Drei.
Die allerletzten bleiben hier, spätestens bis etwa Vier;
und der Chef ist längst zu Hause und nimmt länger eine Pause.
Das neue Jahr kommt, Gott sei Dank, doch der Chef ist häufig krank,
den man nur noch selten sieht und der vor den Blicken flieht,
seiner lieben Angestellten. Heute liegen wirklich Welten,
zwischen Gestern und dem Morgen und man macht sich allmählich Sorgen.
Der Chef hat nur noch wenig Zeit. Zukunft und Vergangenheit,
muss man leider bald erkennen, tun sich voneinander trennen.
Es wird der alte Chef entlassen. Der neue, es ist nicht zu fassen,
ist namentlich Konkursverwalter. Der ist jünger und kein Alter
und wird noch viel Zukunft haben, denn er kann sich deftig laben.
Die Weihnachtsfeier im Betrieb ist dem neuen Chef nicht lieb
und die findet nicht mehr statt, denn der ist jeden Luxus satt,
den sich, in dem festen Glauben, andere vorher erlauben.
Sein Gehalt wird noch bezahlt, solang er mit dem Aufschwung prahlt,
denn das hat er gut gelernt, bis er sich dann auch entfernt.
H. Feisel
Letzte Kommentare