Im alten Jahr.
Im alten Jahr.
Wer will kann an Silvester laufen um noch mal richtig einzukaufen,
einmal hier und einmal da, Wein und Sekt, et cetera,
Schnaps, Likör, den Kasten Bier und in dem Discounter hier,
Salzstangen und Erdnussflips und dazu Kartoffelchips.
Saure Gurken sind nicht schlecht. Ein saurer Hering käme recht,
am späten Morgen an Neujahr, bei der drohenden Gefahr
von einem ziemlich dicken Kopf. Der Rollmops in dem Heringstopf
käme dann wohl sehr gelegen und wäre dann vielleicht ein Segen.
Der Einkaufswagen ist halb voll. Die Mehrwertsteuer ist im Soll
wie der Benzinpreis auch vertreten und um den Strompreis muss man beten.
Vielleicht muss man noch etwas braten. Darum muss man sich beraten,
während man sich noch berät, was am besten schmort und brät,
im Ofen oder in der Pfanne. Peinlich wäre diese Panne,
wenn man das Baguette vergisst, oder ohne Brötchen isst.
Schließlich hat man noch zur Not zu Hause noch ein halbes Brot,
doch das käme nicht mehr frisch auf den eingedeckten Tisch.
So muss man halt viel überlegen und man tut zu sagen pflegen,
man bewirtet auf das Beste lieber nicht daheim durch Reste.
Das alte Jahr wird nach Belieben nun mit frischer Kost vertrieben
und die Reste, das ist wahr, bleiben bis ins neue Jahr.
Im alten Jahr ist man bemüht, an Silvester schon verfrüht,
das Geknalle neu zu starten, denn manche Raudis tun nicht warten
und stimmen sich schon allgemein ein, zwei Stunden früher ein,
ziemlich außer Rand und Band, auf das Geballer auf dem Land.
Das alte Jahr vergeht mit Knaller, das neue Jahr kommt mit Geballer,
wie man es nicht mehr vermeidet, und was die Beiden unterscheidet,
das ist um Punkt zwölf Uhr die Kunde, nunmehr in der Silvesterrunde.
Ab zwölf Uhr ist, um die Zeit, das alte Jahr Vergangenheit
und das neue hat begonnen. Wie gewonnen so zerronnen,
so könnte man es wohl beschreiben. Was kommt und geht das kann nicht bleiben.
Sobald das neue Jahr besteht, das ständig mit der Zeit vergeht,
vergehen zweiundfünfzig Wochen, hat der Lehrer klug gesprochen,
in seiner Weisheit die er kennt. Dreihundertfünfundsechzig nennt
der Lehrer nun die Zahl der Tage und die teilt er, ohne Frage,
in zwölf Stufen dabei ein. Jeden Monat muss es sein,
dass wiederum ein Schritt vergeht, solang das neue Jahr besteht.
Dann ist das neue Jahr zu Ende. Um Punkt Zwölf kommt dann die Wende.
Das neue Jahr, in der Gestalt, ist dann ein Jahr und trotzdem alt,
während es dabei vielleicht im gleichen Ritus wieder weicht,
denn der Rhythmus bleibt sich treu und alles Alte wird nicht neu.
H. Feisel
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