Strom und Wasser / Historisches.
Die Wasserleitung gibt es schlicht auf dem Land noch lange nicht
und der Strom ist auf dem Land, und daher auch dem Bauernstand,
zu dem Zeitpunkt unbegreiflich. Der Bauer überlegt sich reiflich,
wenn Wasser aus dem Brunnen rinnt, wen er denn dazu gewinnt,
den Pumpenschwengel zu bewegen. Er muss dabei zugrunde legen,
dass jeder einmal, zum Verdruss, tagtäglich Wasser pumpen muss.
Die Pumpe ist viel im Gebrauch und die Wassereimer auch,
aus denen man das Viehzeug tränkt. Kein Mensch ist dabei gekränkt,
wenn man ihn einmal vergisst, wo er an der Reihe ist,
oder an der Reihe wäre. Der Klepper oder auch die Mähre,
die noch in dem Stall rum steht und kaum zu verkaufen geht,
besteht nur noch aus Haut und Knochen. Der Seifensieder soll sie kochen.
Es fließt das Wasser aus dem Born. Eine Kuh stößt mit dem Horn
schon leicht mal einen Eimer um. Aus diesem Grund und eben drum,
muss man täglich zweimal laufen damit die Kühe Wasser saufen.
Man muss auch an die Pferde denken und die Schritte dorthin lenken,
mit vollem Eimer in der Hand, entlang an einer langen Wand,
bis hinein zum Pferdestall, denn Wasser läuft nicht überall.
Das Wasser läuft nur aus dem Born und der ist weit entfernt da vorn.
Täglich muss man ständig laufen, denn die Tiere wollen saufen.
Die Schweine schlürfen auch viel Wasser. Das Schweinefutter macht man nasser,
weshalb das Schrotzeug nicht so staubt und Kartoffel sind erlaubt,
welche Schweine nun indessen, nach dem Dämpfen, gerne fressen.
Man kann sich auch dabei im raschen das Gesicht mit Wasser waschen.
Der Knecht sieht dabei überraschend die Magd die, sich im Wasser waschend,
dabei irgendwie ganz gut ihre Brüste waschen tut
und an dem Pumpenschwengel zieht, bis ein schriller Schrei geschieht,
der durch den Knecht, aus dieser Sicht, das Waschen plötzlich unterbricht.
Wer sich hier draußen waschen will, versucht das heimlich und ganz still,
was nicht immer gut gelingt und Überraschung mit sich bringt.
Die Kopfwäsche ist schnell gemacht und hin und wieder angebracht,
auch wenn der Bauer, in der Wut, womöglich einmal schimpfen tut.
Man muss vom Born das Wasser fassen oder auch das Waschen lassen.
Das bleibt früher in der Welt vielfach jedem freigestellt.
Waschen kann man sich bei Nacht. Dann wird die Lampe angemacht.
Doch spendet das Petroleumlicht eine mangelhafte Sicht.
Manches Weib sieht dann Gespenster, vielleicht versteckt am Kuhstallfenster,
das nicht abgedunkelt ist, wo irgend wer am spuken ist.
Vielleicht tut auch ein Knecht mal spucken und den Kautabak verschlucken,
angesichts der Oberweite und der Hüfte in der Breite,
wenn er, wie es mal geschieht, eine Magd beim waschen sieht.
So ist das mit dem Waschen eben, in dem schwierigen Bestreben,
die Körperwäsche zu betreiben. Wer Nerven hat tut nackend bleiben,
lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Manchem will das nicht gelingen
und er wäscht sich die Substanz seines Körpers selten ganz.
Schwierig ist es alle Zeit auch in der großen Dunkelheit,
in ziemlich eingeengter Sicht, bei etwas Petroleumlicht,
oder auch im kleinen Zimmer, mit der Kerze leider immer.
Der Tabak der wird schon geraucht, wozu man eine Pfeife braucht,
die mancher öfters, dann und wann, zwischendurch mal stopfen kann.
Manchen kann man nicht gebrauchen, man kann ihn in der Pfeife rauchen,
wie das Sprichwort deutlich sagt. Ohne Licht hat man beklagt,
dass der Teufel ganz verdeckt, in der Dunkelheit versteckt,
mit Hexen in dem Dorf verkehrt und die Hexerei vermehrt,
einmal schließlich ganz bestimmt Überhand im Dorfe nimmt.
Die Finsternis ist sozusagen der Anlass für versteckte Fragen,
die sich im nächtlichen Bestreben geheimnisvoll somit ergeben.
Im Mysterium, wird gemunkelt, sei so vieles ganz verdunkelt
und geheim in dem Geschehen niemals ohne Licht zu sehen.
Das Spekulieren in der Nacht hat die Märchen mitgebracht.
Beim Vollmond kann man, sozusagen, sich schon mal aus dem Häuschen wagen,
wenn kein dichter Nebel ist. Bei Neumond ist es finster trist
und ganz stockdunkel in der Nacht, wenn man sich auf den Heimweg macht.
Manches Weib empfindet Graus und geht dann nicht allein hinaus
und lässt sich dann schon beizeiten von einem starken Mann begleiten,
der auf dem Rückweg Ängste kennt und vielleicht dabei selber rennt.
Mancher singt vor Angst sehr laut, wenn er in das Dunkle schaut,
wo er nichts erkennen kann. Der ziemlich nervenstarke Mann
geht immer seines Schrittes weiter und Nerven sind sein Wegbegleiter,
selbst wenn er dort den Teufel sieht, der an ihm vorüberzieht.
Es wird dabei im Dorf berichtet, von dem der nicht darauf verzichtet,
diese Thema neu zu wählen und Heldentaten zu erzählen.
So ist das mit der trüben Sicht, bei ungenügend hellem Licht;
und manchem spielt dabei sogleich die Phantasie nun einen Streich,
wenn er manches Übel sieht und wenn ein mancher Rüpel flieht,
nach seiner versteckten List, die leicht zu übersehen ist.
Es sind die große Dunkelheit und knappes Wasser allezeit
ein Dilemma und ein Makel, in dem häufigen Debakel.
Vielleicht muss man was erfinden und das Elend überwinden,
damit es vielleicht irgendwann viel bequemer werden kann,
schon beginnend vor der Tür. Die Alten können nichts dafür,
dass sie manches nicht begreifen und nicht mehr im Fortschritt reifen,
denken in dem Dorf die jungen. Denen ist zu Kopf gedrungen,
dass in der Stadt viel Lichter brennen, wo sie die Wasserleitung kennen.
H. Feisel
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