Die produktive Henne.
Die Hühner legen im Quartett, das macht der beste Hahn nicht wett. Zwar ist es eng in dem Quartier, wo früher eins saß, sitzen vier;
doch ergibt sich irgendwie, dieser Zwang zur Industrie. Die Industriegesellschaft zwingt, zu dem was diese mit sich bringt.
Das Industriehuhn muss am meisten, seine Norm am Fließband leisten. Es legt die Eier im Akkord und kennt noch nicht mal Ausgleichssport. Kann nur gemäß dem Eiersegen, sein Hinterteil im Soll bewegen, muss somit ständig allgemein, beständig bei der Arbeit sein.
Es lässt sich hierbei auch erwähnen: "Ein Käfighuhn weiß nichts von Hähnen," Ein Käfighuhn geht selten aus und kennt sich nicht mit Männern aus. Im Akkord voran getrieben, ist ihm ein Hahn versagt geblieben. Ein Hahn tut heute nicht viel gelten, der hat nicht mehr viel zu melden.
Einst war er emsig und stets wacker, zu Diensten stets dem Huhngegacker. Er ist nicht glücklich, wenn er kräht. Die Henne die ihn oft verschmäht, erklärt ihm nunmehr ungeniert, sie sei ais Weib emanzipiert; dass in des Daseins Eil und Hetze, sie den Mann im Haus ersetze.
Das Huhn, will oft den Sex vermeiden, hat keine Zeit für Zärtlichkeiten. Das Huhn das schafft, mit voller Kraft, mit viel Elan und Energie, braucht keinen Hahn in Batterie. Es bringt herbei, was wichtig sei;- vom Fließband kommt das Hühnerei.
Dem Huhn dem ist schon nicht mehr klar, dass früher vieles anders war. Wozu noch alte Traditionen, althergebrachte Emotionen? Ohne Hahn und ohne Brauch, geht es im neuen Leben auch. Der Käfig bringt Bequemlichkeit, für Liebe bleibt da keine Zeit.
Die Beziehung zu der Erde, war verbunden mit Beschwerde. Und der Hahn ließ immerzu, unersättlich keine Ruh. Auch muss man mit dem Fortschritt gehen und darf nicht nur im Abseits stehen. Drum war bemüht, es schon beizeiten, mit dem Fortschritt fort zu schreiten.
Das Huhn war damals noch naiv, als der Fortschritt nach ihm rief und hat zu der Zeit nicht geahnt, wie der Fortschritt Wege bahnt. Zu guter letzt gibt's auf dem Wege, keinen Fortschritt im Gelege. Der Fortschritt zeigt sich immer nur, fortlaufend beständig stur.
Sein Fortschrittsglaube schien allmächtig, das Leben schien es, ist sehr prächtig. Der Käfig, merkt das Huhn sehr bald, birgt reichlich Lebensunterhalt. Doch eingeengt in seine Normen, fängt es an sich zu verformen. Das arme Huhn, es kann's nicht fassen, muss bald viele Federn lassen. Der Konkurrenzkampf immerzu, lässt auch den Hennen keine Ruh. Die Daseinsform hat ihre Macken. Sie tun sich gegenseitig hacken. Das arme Huhn muss nun in Massen, nach und nach viel Federn lassen. Auch ist es weit von der Natur, künstlich ausgestattet nur.
Naturverbunden wie es ist, fehlt ihm das Kratzen auf dem Mist. Der Frohsinn will nicht recht gelingen. Schon bald vergeht ihm auch das Singen. Es will mal wieder Freiheit fühlen und gerne in der Erde wühlen. Auf den Stäben, den verdreckten, träumt es von Würmern und Insekten.
Es denkt mit Trauer an den Gatten. Erinnert sich, wie nett sies hatten. Die Flügel will es mal gebrauchen; im Käfig tut sich's die verstauchen. "Dich Henne lässt die Freiheit grüßen, die Natur lag dir zu Füßen'" Einst barg die gute alte Zeit, Zuversicht, Geborgenheit.
Gemütlich tat man Eier legen, in Ordnung war der Hühnersegen. Der Nachwuchs kam an manchem Orte, doch nicht wie jetzt, aus der Retorte. Weiße Eier und auch braune, machten da noch Lust und Laune, zumal der Hahn, wie es geschah, damals noch den Dienst versah.
Das Huhn tut sich im Sinn versenken und meistens nur an Früher denken. Die arme Henne wird auch älter und ohne Federn wird's ihr kälter.
Sie tut sich mehr in Schweigen hüllen und kann ihr Soll nicht mehr erfüllen. Sie träumt noch still vom Sonnenbaden, da wird sie schon ganz braun gebraten
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H. Feisel

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