Kopf und Magen.
Mancher Mensch sorgt, trotz viel Klagen, immer emsig für den Magen,
scheut keine Mühe und ist lange ständig mit viel Fleiß zugange.
Er nimmt jede Müh in Kauf, bewirtet gern und trägt viel auf,
rennt und rackert bis zum Schluss, damit nur keiner hungern muss.
Mancher Bauch wird dabei voll, bis er beinah überquoll.
Mancher Mensch der müht sich sehr, schleppt Lebensmittel hin und her,
zwischen Tischen, Stühlen, Bänken und versorgt mit viel Getränken,
müht sich eifrig um die Kehle, damit der ganz bestimmt nichts fehle.
Derselbe Mensch tut viel besorgen und kann sich keine Ruhe borgen,
hat sich alle Müh gemacht und ständig an den Bauch gedacht,
vertat dabei viel Energie, dachte aber leider nie
in all diesem, seinem Streben, an den Sinn in seinem Leben.
Die Mühe dient dem Bauch zum Zwecke, der Sinn blieb dabei auf der Strecke.
Es schafft der Mensch, er tut sich regen und in der Mühe fort bewegen,
doch hat in seinen Interessen, das wichtigste total vergessen.
Er vergaß, wie man so sagt, was als Seele überragt.
Der Bauch findet die Mühe toll. Die Seele wird davon nicht voll.
Der Bauch wird prall, der Mensch wird matt, doch die Seele wird nicht satt.
Und der Mensch wird auch indessen geistig träge von dem Essen
und benebelt in dem Geist, von Wein und Bier und Schnäpsen meist.
Der Mensch tut weiterhin im Schweifen, alltäglich nach den Dingen greifen,
die auf dem Tisch zu stehen kommen und hat im Sinn nicht angenommen,
dass manche Logik im Verstand, dabei wenig Sinn empfand,
dass die Logik nicht weit reicht und nur der Fressgewohnheit gleicht.
Mancher Mensch ist sehr gekränkt und in seinem Sinn beschränkt,
wenn ihm der Geist verständlich macht, es habe nicht viel Sinn gebracht,
während er sich immerzu, ohne Rast und ohne Ruh,
besinnungslos in dem Verstand, weit von seinem Sinn befand.
Der tut weiterhin verpflegen und keinen Sinn zugrunde legen,
hat manchen dabei gern bemuttert, der immer wieder weiter futtert.
Die Fütterung tut sozusagen wie im Kuhstall überragen,
wo die Kühe Wiederkauen, fressen, saufen und verdauen.
Die Mühe die man außen kennt, in der man in dem Alltag rennt,
kann sinngemäß nicht überragen, lässt sich niemals übertragen,
auf das was eine Seele sucht, die das leere Nichts verflucht,
die sich einem Sinn anlehnt und sich nach der Erfüllung sehnt.
In allem äußeren Gebaren ist innen wenig widerfahren,
von dem was man Erleuchtung nennt, von dem was man im Geist erkennt.
Die Erleuchtung blieb im Haus der äußeren Gebärden aus
und eingeleuchtet hat es schlicht dabei manchem Menschen nicht.
Oberflächlich, in der Tat, weiß sich mancher Mensch kein Rat,
wenn man auf seinen Rat besteht, wenn es ums Eingemachte geht,
denn was er lebenslang vollbrachte, war das was er nur außen machte,
als er innen „Nichts“ erkannte und keinen Sinn im Leben nannte.
Die Menschenseele lebt vom Sinn. Der Bauch der quält sich weiterhin,
um sein Essen zu verdauen und immer wieder abzubauen,
zunehmend in viel Beschwerden, um abnehmend das loszuwerden,
was als Magendruck nur quält, wenn die Zunge nicht mehr zählt.
Der Bauch hat ständig zugenommen. Der Sinn ist viel zu kurz gekommen
und der Mensch der hat noch immer von der Wahrheit keinen Schimmer,
weil es an Erleuchtung mangelt, während er sein Futter angelt
und es wird ihm nicht ganz klar, was im Sinn erkennbar war.
Der Mensch kann nur im Sinn begreifen und nur in dem Gedanken reifen,
weil er aufs Futter konzentriert, jenen Sinn in sich verliert,
der in ihm begreiflich macht, dass der Geist vollkommen macht,
der sich innen ganz verhüllt, im Hunger seiner Seele füllt.
Die Nahrung lässt sich im Geschehen auf dem Tisch nicht übersehen,
doch die Nahrung als der Geist, übersehen Menschen meist,
bis die Seele hungrig ist, obwohl der Mund beständig frisst.
Auch die Seele hungert sehr und wird einmal völlig leer.
Wer mitdenkt hat den Teil gewählt, der in Zukunft ewig zählt,
während, wenn der Mensch verstirbt, der Bauch des Menschen auch verdirbt.
Wer denkt hört manchen Worten zu. Was außen ist vergeht im Nu
und im äußeren Getue hat der Mensch weder Sinn noch Ruhe.
H. Feisel
Lukas 10; 38 – 42:
Es begab sich aber, da sie wandelten, ging er in einen Markt. Da war ein Weib mit Namen Martha, die nahm ihn auf in ihr Haus. Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria; - die setzte sich zu Jesu Füßen und hörte seiner Rede zu. Martha aber machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: „Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt alleine dienen?“
„Sage ihr doch, dass sie es auch angreife (mithelfen)?“ Jesus aber antwortete und sprach zu ihr: „Martha, Martha, du hast viel Sorge und Mühe; eins aber ist not.“ - Maria hat das gute Teil erwählt (im interessierten Verstehen); das soll nicht von ihr genommen werden.“

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