Evas Naivität.
Der Gefühlsmensch ist die Frau, hoffentlich gewievt und schlau,
wenn im Gefühl die Neugier lockt, wo der getarnt im Dickicht hockt,
der die Hinterlist verwendet, damit die wahre Einheit endet,
in dem menschlichen Gewissen. Das Weib folgt manchmal, wie verbissen,
aus Neugier einer falschen Fährte, und der Weg der längst bewährte,
war gradlinig gut einzusehen. Dann schlängelt sich, im Weltgeschehen,
der unbekannte schlechte Weg, über den versteckten Steg,
auf dem man dann, in viel Verdruss, das Ziel erst wieder finden muss.
Hat sich das Weiblein, leicht verwirrt, in dem Labyrinth verirrt,
wo sie irrend, wie verflucht, den Ausgang lang vergeblich sucht?
Naiv ist wer ins Dunkle schaut und dem bekannten Weg nicht traut
und stattdessen heimlich still, neue Wege gehen will.
Wer in das Unbekannte tappt, aus dem die Rückkehr fast nicht klappt,
der sehnt sich wohl ein langes Stück nach dem wahren Weg zurück.
Das Unbekannte hat gelockt und der Irrtum sehr geschockt,
in dem süchtigen Verlangen, neugierig was anzufangen,
mit dem was man probieren mag. Die Probe bringt es an den Tag,
was versteckt im Dunklen liegt,wo die Neugier überwiegt.
Das Gefühl ist schnell geweckt, wo irgend was verborgen steckt.
Das Versteckte zu begreifen, um erkennend mehr zu reifen,
war wohl immer das Motiv. Das Gefühl ist sensitiv,
doch kann man wirklich, im Geschehen tief die ganze Wahrheit sehen?
Ist denn Eva sehr sensibel, als das erste Weib der Bibel,
oder aus getrübter Sicht, so feinfühlig eher nicht
und nicht von dem Instinkt gewarnt, dass die Lüge sie umgarnt?
Sensibel muss der Mensch, auf Erden, erst durch mehr Erfahrung werden,
wodurch sich mehr Gefühle bilden als es bei derben plumpen Wilden
im allgemeinen üblich scheint. Wer etwas zu bereuen meint,
der denkt auf der Weltenbühne insgeheim vielleicht an Sühne
und, in seiner stillen Muße, fühlt er dann den Sinn der Buße.
Wer will sich peinlich nur blamieren? Doch Gefühle programmieren
muss der Mensch auf Lebenszeit, auch das Gefühl der Peinlichkeit,
damit er fühlt was man nicht tut, eventuell im Übermut.
Nur wer leer ist und ganz kühl verfügt nicht über viel Gefühl
und hat für echte Sinnlichkeit in seinem Alltag wenig Zeit.
Sensibel ist, aus dieser Sicht, der ungereifte Mensch halt nicht,
der keine Reue in sich fühlt und ohne Buße arg verkühlt,
meint dass er unfehlbar sei und daher immer Fehlerfrei.
H. Feisel
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