Ewige Ruhe?
Fest verschossen in der Truhe, in der ewiglichen Ruhe,
zu dem Grabe hin begleitet, ist dem Menschen das bereitet,
worin man keinen Sinn entdeckt und nur das dunkle „Nichts“ bezweckt.
Die schönen religiösen Reden begeistern aber längst nicht jeden,
so wie Christus der gegeistert auch das Leben ewig meistert.
Wenn diese Ruhe ewig hält, weil der Geist zu „Nichts“ zerfällt,
dann ist die Rede wenig wert, weil sie keinen Sinn beschert.
Ewig ruhen, aus der Sicht, will der Geist des Lebens nicht,
der logisch an dem Leben hängt und darum nicht den Sinn verdrängt,
in die ruhevolle Zeit, bis in alle Ewigkeit.
Der schöne Sarg, als Totentruhe, bedeutet nichts in aller Ruhe,
die der Priester eifrig nennt, der keinen Sinn der Handlung kennt.
Ewig ruhen will kein Leben, denn dann tut es den Geist nicht geben,
der am Lebensfaden hängt. Der Sinn des Lebens wird verdrängt
und abgeschoben in die Ruhe, verfälscht in jeder Totentruhe.
Was treibt den Geist des Lebens um? Bleibt der in Ruhe ewig stumm
dann ist der Geist im „Nichts“ vergangen. Doch am Leben hat gehangen,
wer sich nicht die Hoffnung raubt und an den Sinn des Lebens glaubt,
der sich entwickelt aus der Zeit, vollendet in der Ewigkeit.
Doch der Ritus dreht sich nur um die sterbliche Natur.
Tut man mit den, die Ruhe haben, den Kern des Lebens mit begraben,
der sich vielleicht vom Körper trennt? Weiß der Geist, wie man es nennt,
als das Lebenselixier, im lebenden Bewusstsein hier,
mit dem Sinn was anzufangen und wohin ist der Geist gegangen?
Ewig ruhen, aus der Sicht, will der Geist des Lebens nicht,
denn der will das Leben haben. Diese Hoffnung tun begraben,
die den hohen Sinn zerbrechen und von sanfter Ruhe sprechen,
ohne eine Perspektive. Worin liegen die Motive,
im religiösen Ritual, wenn die Rede jedesmal
nur von sanfter Ruhe spricht? Gibt es die Botschaft Gottes nicht?
„Ruhe sanft“, so klingt die Rede, und abstrakt ist daher jede
Hochschulbildung in Semestern. Die Rhetorik klingt, wie gestern,
heute weit vom Sinn entfernt und auswendig wird nur gelernt,
was der Mensch, der wenig reift, innen nicht im Sinn begreift.
Ruhe sanft, kann man vernehmen. Das wiederholt sich in den Themen,
die nur das leere „Nichts“ beschwören und „All-Es“ in dem Sinn zerstören.
Soll das Leben ewig ruhen, in entsorgten hübschen Truhen,
dann ist das Leben nur vergangen und hat an keinem Sinn gehangen
in dem das Leben eingebettet, sich aus dem Verhängnis rettet.
Wer ewig ruht der bleibt nur tot und empfindet nicht mal Not.
H. Feisel

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