Einsam – Gemeinsam.
Alle Menschen sind nicht einsam. Manche leben mehr gemeinsam.
Allgemein zählt in der Zeit eher die Gemeinsamkeit
und im allgemeinen Denken lässt sich die Menge leichter lenken.
Die trägt, auf Teufel komm heraus, zwar die Konflikte in sich aus,
doch, aus der allgemeinen Sicht, denkt sie sehr viel weiter nicht,
in dem Bildungsangebot. Die Chance auf den Sinn sei tot,
scheint der Wahlspruch dort zu sein. Die Allgemeinheit sieht nicht ein,
dass der Geist noch, dann und wann, im Menschen weiter denken kann,
als es das falsche Bild erlaubt. An unbekanntes Wissen glaubt
wer in aller Weisheit sieht, dass insgesamt viel mehr geschieht.
Die Gemeinsamkeit der Menge empfindet mancher nur als Enge,
weil die wohl, aus seiner Sicht, der Denkgewohnheit nicht entspricht,
die er sich zu Eigen macht. Einsam gibt er darauf acht,
wie er diesbezüglich denkt, wo er die Gedanken lenkt,
dem grundsätzlichen Sinn entgegen, denn er will zugrunde legen,
dass das Leben wohl, vielleicht, ein absolutes Ziel erreicht.
Die Menge will, in dem Bestreben, gemeinschaftlich zusammenleben,
doch sie fügt sich unter Zwängen, die damit zusammenhängen,
dass die Verbindung, eher trist, zwangsläufig verordnet ist.
Die Menge ist sich garnicht eins und ein Ziel hat sie wohl keins.
Grundlos lebt die Menschenmenge, verdrängend ihre leere Enge,
sinnlos in den Tag hinein und wer kann schon bewusster sein,
ohne sich zu distanzieren? Die Menge tut das produzieren
was ihren Auswüchsen entspricht und sie akzeptiert es nicht
dass ein Sinn, von Gott geschenkt, den Geist des Menschen höher lenkt.
Im nur niederen Motiv ist die Gemeinschaft viel aktiv,
doch mehr gestattet sie wohl nicht, mangels ihrer „Über-Sicht“.
Die Menge, mit sich selbst verschworen, aktiviert die vielen Toren,
die vom ganzen Sinn nichts wissen, die „All-Es“ grundlos bloß vermissen,
oder kaum vermissen wollen, weil sie an „Nichts“ glauben sollen.
Die Menge, ihrem Kult verbunden, hat den Götzendienst erfunden,
in der Zahl der Religionen. Wer denkt will seinen Sinn verschonen,
vor dem heuchlerischen Schein. Logisch mit sich ganz allein
ist der Mensch der einsam denkt, ihm sei ein echter Sinn geschenkt.
Der Prophet geht in die Wüste, verachtend jede tote Büste,
und sieht im Umkreis alle Öde. Gemeinsam ist die Welt zu blöde
und gemeinsam scheint das Leben, seinem Götzenbild ergeben,
im Grunde bloß an „Nichts“ zu denken. Abstrakt scheint sie sich selbst zu lenken,
die Gemeinschaft der Genossen. In der Einsamkeit entschlossen
denkt der Prophet halt, eben drum, als Mensch, als Individuum.
H. Feisel

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