Der Prophet.
Wäre ein Prophet entstanden, sonst wo oder hierzulanden,
dann müsste er sich sicher grämen und für die Gesellschaft schämen,
in der er sich befinden muss, weil die Gesellschaft, bis zum Schluss,
allzu wenig Sinn begreift und tatsächlich wenig reift.
Durch alle jene die, geschwind, als Stellvertreter wichtig sind,
oder aber, im gemeinen, oberflächlich wichtig scheinen,
wird darauf nicht hingewiesen, so wie sie es schon immer ließen,
den wahren Sinn vor allen Leuten ausgiebig und echt zu deuten.
Der Prophet, in seinem Land, der hat einen schweren Stand,
doch ist im Standpunkt längst erprobt, auch wenn ihn selten einer lobt.
Er ist auf das Lob von diesen ohnehin nicht angewiesen,
wüsste nichts mit anzufangen, ist lieber Schritt um Schritt gegangen,
in der Logik der Gedanken. Dem Sinn hat er das zu verdanken,
was ganz tief im Geist verdeckt intern in der Entwicklung steckt.
Schuldig bleibt er angesichts der Gesellschaft sicher nichts,
die in dem, was sie betreibt, im Soll der großen Schuld verbleibt.
Der Prophet kommt nicht beliebig, denn er ist im Geist ergiebig
und kann das im Sinn erkennen, was andere vergeblich nennen,
in Worten, die vom Sinn entfernt, mancher bloß auswendig lernt,
ohne je im Sinn zu reifen und den Inhalt zu begreifen.
Der Prophet der kann es wagen Dinge im Voraus zu sagen,
längst bevor, aus schlechter Sicht, die Gesellschaft davon spricht.
In seiner Logik weit voraus, benötigt er nicht den Applaus,
den andere, in großen Ehren, allzu gerne viel begehren.
In seinen sehr aktiven Stunden fühlt sich der Prophet verbunden,
im Geist, sich selber zum Beweis, mit einem hohen Wirkungskreis,
der sich versteckt, auf seine Art, vor der Gesellschaft offenbart.
Der Prophet nennt sie Genossen, denn er hat im Sinn beschlossen,
aus der Vergänglichkeit auf Erden, den Artgenossen gleich zu werden.
In der Gesinnung, sozusagen, sucht er die Antwort auf die Fragen.
Der Prophet ist weit voraus und kennt sich mit der Frage aus,
die von der ganzen Welt verdrängt mit allem Sinn zusammenhängt.
Die Wissenschaft tut abseits schweifen und in dem Sinn „Nichts“ begreifen,
abseits vom wesentlichen Kern und dem „All-Es“ steht sie fern.
Der Prophet schwört unverdrossen auf anonyme Artgenossen,
in den göttlichen Bereichen und, in menschlichen Vergleichen,
auf jene die noch „All-Es“ suchen und das leere „Nichts“ verfluchen.
Der tatsächliche Prophet, sofern er denn real besteht,
vergleicht sich nicht mit den Propheten die zu toten Götzen beten
und religiös, in dem Verhalten, den Ritus in dem Kult gestalten.
H. Feisel

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