Sammelsurium/Urmenschliches.
Der Urmensch sammelt, eben drum, sein ganzes Sammelsurium;
sammelt Knochen, Steine, Zähne und Weiber mit der langen Mähne
sammelt er, in dem Bestreben, soviel es geht in seinem Leben.
Der Urmensch sammelt wie verrückt alles was ihn ziert und schmückt
und was ihn wichtig scheinen lässt. Im Regen steht er ganz durchnässt
wo ihn die Weiber stehen lassen, die sich nicht mit ihm befassen.
Der Urmensch sammelt auch noch heute möglichst umfangreiche Beute
und findet seine Sammlung toll. Davon kriegt er den Hals nicht voll,
wie man sozusagen sagt, wenn die halbe Welt beklagt,
dass der Urmensch alles schluckt, zu dem ein mancher neidisch guckt.
Der Urmensch, den die Sucht viel treibt, solange er am Sammeln bleibt,
der schlingt gierig, im gewissen, auch noch heute dicke Bissen,
die er als Beute an sich reißt, wenn er in große Brocken beißt.
Der Urmensch sammelt, dann und wann, auch das was keiner brauchen kann,
sammelt, neben manchem Mädel, mitunter auch die Totenschädel.
Wie immer die zustande kommen, es hat der Urmensch angenommen,
dass mancher Fetisch ihm was nützt und ihn vor dem Unheil schützt,
was noch zu beweisen wäre. Es erweist sich nur als Märe
was der Urmensch fälschlich glaubt, der gerne manchen Fetisch raubt
und, wenn möglich, vieles sammelt, während er dazu was stammelt.
Der Urmensch sammelt aber bloß. Sein Sammelsurium das wird groß,
je mehr der Fortschritt, der besteht, mit der Zeit viel weiter geht.
Und der Urmensch sammelt heute wie noch nie erst recht viel Beute,
durch seinen großen Beutefang bedingt sein ganzes Leben lang.
Der Urmensch sammelt erst viel Knochen. Dran schnuppernd hat er die berochen.
Der Steinzeitmensch der sammelt Steine, schwere große und auch kleine.
Dadurch ist er steinreich geworden aus den wilden Urmenschhorden.
Steinreich sind erst recht viel Leute in dem Leben hier und heute
und sehr wichtig aus der Sicht. Nur geistreich ist der Reiche nicht,
der an viel Materie klebt und ansonsten sinnlos lebt.
Der Urmensch setzt sein Leben fort, reich kaschiert an manchem Ort
und künstlich will er im Gemeinen allzu gerne wichtig scheinen.
Mit allen Mitteln, irgendwie, macht er sich wichtig wie noch nie,
im kranken Ehrgeiz alle Zeit, in unflätiger Eitelkeit.
Schamlos ist der Urmensch lange in dem Beutetrieb zugange
und heute kriegt er nie genug. Er schämt sich nicht vor Lug und Trug,
die er in seiner List erkennt, was er seinen Ehrgeiz nennt.
Sehr viel Beute tut ihn reizen, doch mit Ehre tut er geizen,
beziehungsweise weiß er nicht, aus seiner nur getrübten Sicht,
was wirklich wahre Ehre ist, weil er allen Sinn vergisst.
H. Feisel

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