Abendrot.
Der Morgen war schon sonnenklar, als ein Mensch sehr einsam war,
innerhalb von seinen Wänden. Er hat gezittert mit den Händen.
Der Tag wird herrlich warm und schön und die Täler und die Höh'n
befinden sich im satten Grün. Im Garten tun die Blumen blüh'n.
Die Vögel zwitschern, pfeifen, flöten; und mancher Mensch ist doch in Nöten.
Obwohl am Tage die Sonne scheint, so hat er trotzdem still geweint.
Draußen blüht, im Tageslauf, das Leben in der Sonne auf.
Die Schwalben fliegen kreuz und quer eifrig in der Luft umher,
fangen emsig viele Fliegen und tun zu den Nestern fliegen.
Dort versorgen sie die Jungen. Die Amsel hat ganz laut gesungen,
oben auf dem First, am Dach. Der Mensch war früh am Morgen wach
und hat das Käuzchen nachts gehört, das irgendwie die Nacht beschwört.
Die Schwalbe fliegt zum Nest herauf. Die Jungen tun die Schnäbel auf
und sie fangen im Bestreben ganz klein an, in ihrem Leben.
Das Leben wächst und es gedeiht, innerhalb nur kurzer Zeit,
und bald schon wollen sie heraus. Sie fliegen sicher auch bald aus.
Die Sonne lockt in diesem Maße. Die Leute gehen auf der Straße
und tun sich manchmal unterhalten und Rentner tun den Tag gestalten.
Die Sonne hat dazu geführt, zum regen Treiben das man spürt
und alles wird dadurch lebendig. Kinder springen ganz behendig
auf dem Schulhof in der Pause. Dann rennen sie vergnügt nach Hause,
doch da bleiben sie wohl kaum. Ein Rabe krächzt in einem Baum,
der Bussard kreist am blauen Himmel und manche Leute, in dem Fimmel,
angesichts der Sonnenstrahlen, tun aus ihrem Leben prahlen.
Doch ein Mensch fühlt sich allein und kann nicht lebenslustig sein.
Dann hat der Tag sich abgekühlt, wenn man den Abend langsam fühlt
und blutrot geht die Sonne unter. Die Amsel ist erneut sehr munter
und singt in der Abendstunde. Mancher geht noch eine Runde
beim wunderbaren Abendrot. Dann gibt es nun Abendbrot.
Die Schwalben setzen sich zur Ruh. Irgendwo plärrt eine Kuh.
Nur ein Mensch geht keinen Schritt und hat wenig Appetit.
Er schläft in der Nacht schlecht ein und ist eigentlich allein,
schläft einmal kurz, ist aufgewacht. Das Käuzchen hört er in der Nacht,
als es wieder einmal schreit und sonst nur Stille weit und breit.
Es macht der Mensch sich stille Sorgen und es dämmert früh am Morgen.
Er sah sein letztes Abendrot. Am frühen Morgen ist er tot.
Die Amsel tut ihr Ständchen bringen und alle Vögel dürfen singen.
H. Feisel

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