Lippenbekenntnis.
Man hat's nicht übers Herz gebracht und den Fehler neu gemacht,
immer wieder und erneut, weil man sich immer wieder scheut,
denselben Fehler zuzugeben. Und so vergeht ein ganzes Leben,
in Unvernunft und wenig Sinn. Worin liegt denn der Gewinn,
wenn manche Leute „Nichts“ verstehen, weil sie niemals „All-Es“ sehen?
Die auf die falschen Stimmen hören und auf ihren Fehler schwören,
die bewegen sich kein Stück aus dem Engpass mehr zurück,
in dem sie ganz und gar nicht wenden und leider unbeweglich enden.
Es ist nicht übers Herz zu bringen? Wie soll die Wahrheit denn gelingen,
dem eigentlichen Sinn zum Zweck? Es hat das Herz am rechten Fleck,
wer sich ehrlich überwindet und damit sein Ergebnis findet,
das ihm weiter helfen kann. Wer „Nichts“ erreicht ist irgendwann
nur für jeden Sinn verloren und hat vergeblich viel beschworen,
ganz umsonst in seinem Sein, bei sich selber nur allein.
Wer auf viel schwört, aus seiner Sicht, jedoch nur mit den Lippen spricht,
der ist nicht mit dem Herz zugegen, wenn die Lippen sich bewegen.
Es spricht der Mund sehr viel und frei, doch das Herz ist nicht dabei
und große Worte bleiben leer. Das führt immer, hinterher,
weiterhin jedoch zu „Nichts“. Nur der große Mund versprichts,
was das Herz scheints niemals hält, das in seinem Wert verfällt.
Es kränkelt manches leere Herz und am Ende kommt der Schmerz,
der sich in die Seele brennt, während man vielleicht erkennt,
in allem was man fälschlich rät, es sei leider nun zu spät.
Die Lippen haben viel genannt, doch war dem Herzen das bekannt,
was man auch an dieser Stätte als wahren Schritt begriffen hätte,
wenn man auf die Stimme hört die auf die Herzenssache schwört,
anstatt nur auf das Gerede. Der Intellekt begreift nicht jede
Handlung die im Sinn geschieht, wenn er bloß das Herz nicht sieht,
in dem mangelhaften Denken, es würde der Verstand ihn lenken.
Dann steckt das Herz in seiner Krise. Es spricht der Kopf nach der Devise,
viel Geplapper mit dem Mund mache alles Wissen kund.
Doch was der Mund, in seinem Fleiß, scheinbar nur zu wenig weiß,
das offenbart sich in dem Herzen, als die ganz immensen Schmerzen.
Die Lippen haben viel gesprochen. Am Ende ist das Herz gebrochen,
das man, als man eitel schmollte, nicht zur Kenntnis nehmen wollte,
als Stimme aus dem guten Kern. Das Wichtigste lag manchem fern,
bei viel Gerede, alle Zeit, in dümmlicher Vermessenheit,
man müsse auf sich selbst beharren und regungslos am Punkt erstarren
Eines Besseren besinnen kann man sich nur ehrlich innen,
wenn man den Gedanken wählt, dass das Herz tatsächlich zählt. H. Feisel

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